Was bleibt übrig von dir, wenn du nicht mehr sein musst, was du geworden bist?

Aus dem Salon der Erkenntnis

In den vergangenen Wochen habe ich etwas erschaffen, von dem ich lange wusste, dass es irgendwann seinen Platz in meinem Leben haben würde: meine eigene Akademie.

Ich dachte, ich würde Räume bauen, Studienwege entwickeln, Inhalte ordnen und eine Website entstehen lassen.

Was ich nicht wusste:

Während ich die Akademie aufgebaut habe, hat sie begonnen, mich selbst zu lehren.

Nicht in den großen Momenten.

Sondern meistens in den kleinen.

Dort, wo etwas nicht funktionierte.

Wo ich noch einmal zurückmusste.

Wo ich eine Struktur geschaffen hatte und plötzlich spürte, dass ich sie wieder verändern wollte.

Manches davon war technisch vollkommen richtig.

Und trotzdem war da dieses leise Gefühl:

❦

So ist es vielleicht richtig.

Aber so ist es nicht meines.

❦

Dieser Satz ist geblieben.

Vielleicht, weil er irgendwann gar nichts mehr mit einer Website zu tun hatte.

Denn plötzlich begann ich mich zu fragen:

Wie oft geschieht uns genau das in unserem Leben?

Wir lernen, wie etwas funktioniert. Wir finden unseren Platz. Wir erfüllen Rollen, treffen Entscheidungen und entwickeln Wege, mit dem Leben umzugehen.

Wir lernen, was von uns erwartet wird.

Was vernünftig ist.

Was sich gehört.

Und irgendwann wird manches davon so selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr danach fragen, ob es eigentlich noch zu uns gehört.

Dabei kann etwas wunderbar funktionieren – und uns trotzdem längst nicht mehr entsprechen.

VON AUSSEN NACH INNEN

Vielleicht hat mich diese Erkenntnis deshalb so berührt, weil sie mir etwas über mich selbst gezeigt hat.

Etwas, das ich in meiner Arbeit mit Menschen schon lange tue, ohne ihm bisher so viele Worte zu geben:

Ich gehe von außen nach innen.

Wenn mir ein Mensch begegnet, sehe ich natürlich zunächst das, was sichtbar ist.

Seine Geschichte.

Seine Entscheidungen.

Seine Art zu handeln.

Seine Beziehungen.

Vielleicht auch das, womit er gerade ringt.

Aber dort bleibe ich selten stehen.

Mich interessiert, was darunter liegt.

Und darunter.

Und noch weiter darunter.

Ich frage weiter, immer weiter.

Nicht, weil ich die Antwort für einen anderen Menschen kenne.

Sondern weil mich der Punkt interessiert, an dem unsere Erklärungen über uns selbst langsam still werden.

Unter den Rollen.

Unter den Erwartungen.

Unter den Erfahrungen, die uns geprägt haben.

Unter den Vorstellungen darüber, wer wir sind und wer wir sein sollten.

Und auch unter den Schutzmechanismen, die irgendwann notwendig waren.


✦  EIN GEDANKE, DER BLEIBEN DARF  ✦

Nicht alles, was wir heute nicht mehr brauchen,

war deshalb falsch.

Manches hat uns einmal geschützt.

Manches hat uns getragen.

Manches hat uns geholfen, durch eine Zeit unseres Lebens zu kommen.

Wir dürfen es würdigen –

und trotzdem irgendwann weitergehen.

Vielleicht liegt genau darin ein Unterschied, den ich gerade immer deutlicher spüre.

Wir sprechen so oft von Entwicklung, als müssten wir immer noch etwas zu uns hinzufügen.

Noch etwas lernen.

Noch etwas lösen.

Noch bewusster werden.

Noch stärker werden.

Noch mehr aus unserem Potenzial machen.

Aber vielleicht gibt es auch eine ganz andere Bewegung.

Nicht immer weiter nach außen.

Sondern zurück nach innen.

Nicht:

Was muss ich noch werden?

Sondern:

Was darf ich vielleicht nicht mehr sein müssen?

❦

Und genau dort begegnet mir wieder diese Frage:

Was bleibt von dir übrig, wenn du nicht mehr sein musst, was du geworden bist?

DIE NATUR GIBT MIR DARAUF KEINE ANTWORT.

ABER SIE ZEIGT MIR ETWAS.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ich bei dieser Frage immer wieder in der Natur lande.

Sie versucht nicht, eine bessere Version ihrer selbst zu werden.

Sie wird.

Ein Baum wächst.

Er trägt.

Er lässt los.

Er zieht seine Kräfte zurück.

Er steht irgendwann kahl da.

Und später beginnt etwas Neues.

Keiner dieser Zustände macht ihn mehr oder weniger zu dem, was er ist.

Und vielleicht liegt auch hier drin etwas, das mich so tief berührt:

Ein Baum muss den Sommer nicht ablehnen, um in den Herbst gehen zu können.

Das Blatt war nicht falsch, nur weil es fällt.

Die Frucht verliert nicht ihren Wert, weil ihre Zeit vorüber ist.

Und der kahle Baum hat nicht versagt, weil er gerade nichts hervorbringt.

🍂

Loslassen bedeutet nicht:

Es war falsch.

Manchmal bedeutet Loslassen nur:

Es war ein Teil meines Weges.

Und jetzt ist seine Zeit vorüber.

Vielleicht dürfen wir genauso auf uns selbst schauen.

Auf eine Rolle, die wir lange getragen haben.

Auf eine Art, uns zu schützen.

Auf eine Entscheidung.

Auf eine Vorstellung davon, wer wir sind.

Und sogar auf den Menschen, der wir einmal gewesen sind.

Wir müssen unser früheres Ich nicht ablehnen, um heute anders leben zu dürfen.

Vielleicht dürfen wir ihm sogar danken.

Du hast mich bis hierher gebracht.

Und jetzt darf ich weitergehen.

WAS IST WIRKLICH DEINS?

Ich dachte, ich würde im Außen eine Akademie erschaffen.

Und dabei hat sie mir im Inneren eine Frage zurückgegeben, die vermutlich schon sehr lange zu mir gehört:

Was ist wirklich deins?

Nicht:

Was ist richtig?

Nicht:

Was erwarten andere?

Nicht:

Was funktioniert?

Sondern:

Was ist deins?

♡  Vielleicht zeigt sich die Antwort ganz leise.  ♡

Vielleicht in einem Moment, in dem dein Körper eng wird, obwohl dein Mund Ja sagt.

Vielleicht in etwas, das nach außen wunderbar funktioniert und dich trotzdem immer mehr Kraft kostet.

Vielleicht aber auch in diesem kaum erklärbaren Gefühl von Weite.

In einem Augenblick, in dem du nichts begründen musst.

Du spürst einfach:

Ja.

Ja!

Das bin ich.

Vielleicht müssen wir daraus nicht sofort eine neue Aufgabe machen.

Vielleicht müssen wir nicht gleich unser Leben umkrempeln.

Vielleicht genügt es für den Anfang, wieder zu bemerken.

Zu beobachten.

Zu fühlen.

Und uns selbst ernst zu nehmen, wenn etwas in uns ganz leise sagt:

So ist es vielleicht richtig.

Aber so ist es nicht meines.


EINE FRAGE AUS DEM SALON

Ich möchte dir heute keine fertige Antwort hierlassen.

Nur eine Frage.

Vielleicht nimmst du sie mit hinaus.

In deinen Alltag.

Auf deinen nächsten Spaziergang.

Vielleicht legst du sie für eine Weile beiseite.

Und vielleicht taucht sie irgendwann wieder auf, wenn du überhaupt nicht mit ihr rechnest:

Was bleibt von dir übrig, wenn du nicht mehr sein musst, was du geworden bist?

Vielleicht beginnt die Antwort nicht damit, dass du endlich weißt, wer du bist.

Vielleicht beginnt sie viel leiser:

damit, dass du wieder spürst, was deins ist.

❦

Die Natur führt.

Der Körper übersetzt.

Du verkörperst.

Isabell Falk, Akademie für Frequenz & Bewusstseinsarbeit

Nach oben scrollen